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KOMMANDOSTAB MIT PLASTISCHEM VOGELZIER

Gruppe C (nach M. Novotna)
Uriu-Kisapáti Stufe, BZ C - BZ D, 14./13. Jhdt. v. Chr.

Kennzeichnend für die mittelbronzezeitlichen Kommandostäbe, auch Doppelarmknäufe genannt ist eine hohe, profilierte Schaftröhre, an der ungefähr in der Mitte zwei leicht nach unten geneigte, lange Arme mit kreisrundem Querschnitt aufsitzen. Die Enden der Arme sind gerundet oder flach. An der eher gedungenen Schaftröhre befindet sich hier eine doppelseitige, vertiefte, plastische, kreisrunde Verzierung, anstelle des sonst üblichen Dornes. Das obere Schaftende wird von einer Rundscheibe abgeschlossen, die überwiegend flach geformt ist. Am unteren Schaftröhrenende befinden sich zwei plastische Rippen. Auf Grund der Verzierungen teilt Novotna die Kommandostäbe in vier Gruppen. Dieser Einteilung nach entspricht das vorliegende Exemplar der Gruppe C, der Gruppe mit plastischem Vogelzier. Diese Gruppe ist die kleinste unter den Doppelarmknäufen und nach Novotna nur noch von zwei weiteren Exemplaren unterschiedlicher Fundorte her bekannt.

Die Form der Kommandostäbe im Allgemeinen, und die der mit plastischem Vogelzier im Besonderen, schließt eine Verwendung als Arbeitsgerät aus. Auch als Waffen eignet sich dieser Typus nicht. Novotna sieht in den Kommandostäben eher ein Würde- oder Hoheitszeichen, welches die plastischen Wasservögel plausibel unterstützen. Derartiger Vogelschmuck und damit verbundener Symbolsimus war nur den hochwertigsten Kultobjekten der damaligen Eliten vorbehalten. Das Vorkommen der Doppelarmknäufe im südostslowakischen Kernbereich der Piliny-Kultur läßt mit gewissen Vorbehalten eine dortige Fertigung dieser höchst ungewöhnlichen Gegenstände, sowie einen dortigen Ursprung der mit ihnen verbundenen Vorstellungen bzw. Sitten in Betracht ziehen. Die drei bis heute bekannten Exemplare der Gruppe C können weiters mit dem Gedanken der Vogel-Sonnen-Barke in Verbindung gebracht werden.

Antithetische Wasservögel befördern die Sonnenscheibe über das Firnament. Kossack verweist diesbezüglich auf die zeitgleiche getrieben verzierte Beinschiene von Rinyaszentirály, die Situlen mit Punkt-Buckelverzierungen oder an die Achskappen mit Vogel- und Vogel-Rind-Protomen. Die Vogel-Sonnen-Barke taucht im Karpatenraum auf und wird zum wichtigsten bildlichen Symbol im urnenfelderzeitlichen Europa. Das Symbol scheint für einen früh in Europa gemeinsam und über weite Distanzen hin praktizierten Kult zu stehen. Von Ungarn bis Frankreich von Norwegen bis in das Gebiet der Villanovakultur.

Das hier zu beschreibende Beil darf also ohnewegs als höchst seltenes Beil des frühen Vogel-Sonnen-Barke-Kultes angesehen werden. Trotz seiner höchsten Qualität steht es dennoch am Beginn dieser Kultvorstellungen und ist früh zu datieren. Vergleiche dazu den Kultwagen von Dupljaja.

Doppelarmknäufe sind aus Gräbern, Hort- sowie Einzelfunden her bekannt. Bei der Datierung hilft meist nur die Vergesellschaftung mit leicht datierbarem Material. Nach dem derzeitigen Forschungsstand fällt das erste Auftreten von Kommandostäben im Karpatenbecken in die Spätphase der Mittelbronzezeit, in den Horizont Forró. Typisch sind sie aber erst für die darauffolgenden zwei Zeitabschnitte (Uriu und Kisapáti). Verzierte und unverzierte Doppelarmknäufe treten zeitgleich auf. Mit Einflüssen aus dem Karpatenbecken werden auch die vereinzelten, in Form und Dekor abgewandelten, nördlich aufgefundene Kommandostäbe, wie z.B. das Exemplar aus Berlin-Spandau, verknüft. Doppelarmknäufe spielen demnach bei der Beurteilung der hügelgräberbronzezeitlichen Beziehungen zwischen dem danubischen Raum und Nordeuropa eine bedeutsame Rolle.

PREIS 
auf Anfrage

PUBLIZIERT
Civilisations, Harmakhis, Brüssel

PROVENIENZ
Privatsammlung Deutschland, erworben 1980
Kunsthandel Brüssel
Privatsammlung F. Belgien
Galerie Kunst der Antike
Privatsammlung A. Österreich

LITERATUR
Gaben an die Götter
Die Äxte und Beile in der Slowakei
Deutschland in der Bronzezeit

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